Übungen zur Gruppenintegration Warming Up

Zielsetzung

Alle Übungen in diesem Modul dienen zwei zentralen Zielen:

  1. Zusammenwachsen des Ensembles: Der Aufbau von Vertrauen und Teamgeist.
  2. Förderung der Spielfähigkeit: Die Stärkung der individuellen und gemeinsamen spielerischen Ausdrucksfähigkeit.

Dabei ist der Spaß stets ein entscheidender Faktor. Zum Beispiel kann eine einfache Vertrauensübung wie das "Fallen lassen" bereits zeigen, wie wichtig der Zusammenhalt in der Gruppe ist, ohne jemanden zu überfordern oder bloßzustellen.

Es ist wichtig, dass sich niemand unwohl fühlt. Spieler*innen sollten nie zu einer Übung gezwungen werden – höchstens motivierend eingeladen. Die Spielleitung (SL) holt die Gruppe dort ab, wo sie steht, und passt die Übungen an Alter, Geschlecht, Bildungshintergrund, Spielerfahrung und Gruppendynamik an. 

Anpassung der Übungen

Die Auswahl und Gestaltung der Übungen richtet sich nach:

  • Ziel der Gruppe: Theaterprojekt oder pädagogischer Schwerpunkt (z. B. Mobbing-Prävention, Bewerbungstraining).
  • Thema des Theaterstücks: Chorische Elemente, Schwerpunkt Text oder Bewegung.
  • Probenphase: In frühen Phasen stehen Dynamik und Energieaufbau im Vordergrund, später Konzentration und Feinabstimmung.

Alle Spiele sind flexibel anpassbar. Kreativität ist entscheidend! Zum Beispiel könnte ein einfaches Namensspiel durch die Integration von Bewegungselementen erweitert werden, um sowohl die Konzentration als auch die Gruppendynamik zu fördern.

Die SL gibt klare Anweisungen und baut komplexere Übungen schrittweise auf, um Frustration zu vermeiden.  

Reflexion im Probenprozess

Die Übungen sollten die aktuellen Schwerpunkte der Probenarbeit unterstützen. Fragen wie diese helfen bei der Auswahl:

  • Welche Szene wird geprobt?
  • Welche Spieler*innen sind anwesend? Wo liegen ihre Stärken und Schwächen?

Endproben: Hier sind Lockerung, Konzentration und Zusammenhalt im Fokus. Energiekreise oder andere Ritualübungen können hilfreich sein. 

Bedeutung von Übungen

Spieler*innen erkennen oft nicht sofort den Sinn der Übungen. Die SL sollte daher Fragen ernst nehmen („Warum machen wir das?“) und mit erklärenden Übungen oder Beispielen den Nutzen verdeutlichen.

Ein Beispiel könnte eine Übung zur präzisen Körpersprache sein, bei der Spieler*innen eine Emotion darstellen und die Gruppe rät, um welche es sich handelt. Aktives Zuschauen und Feedbackrunden (z. B. „Was hat besonders gut gefallen?“) sind wertvoll, um die Wahrnehmung zu schärfen und den Lernprozess zu unterstützen.  

Kategorien von Übungen

Kennenlernübungen

Wichtig für neue Gruppen, um Namen und erste Verbindungen herzustellen. Diese Übungen können auch später als Energizer genutzt werden.

Beispiel:

  • Zu zweit Erzählen: Paare reden gleichzeitig über sich (Name, Familie, Beruf, Warum bin ich hier, was habe ich heute schon erlebt). Nachfragen ist verboten. Anschließend stellen sie sich gegenseitig der Gruppe vor, inklusive kleiner „Lügen“, die die Gruppe erraten muss.
    Alternativ können sich die TN gegenseitig auf der Bühne „verkaufen“, wobei die Vorzüge der Person übertrieben hervorgehoben werden. Dies kann spielerisch wie auf einem Basar oder in einer TV-Verkaufsshow gestaltet werden.
  • Pattern mit Ball: Die TN stehen im Kreis (min. 6, max. 20). Ein Ball wird in einer festen Reihenfolge durch den Kreis geworfen, wobei auch der Name „zugeworfen“ wird. Jede*r merkt sich, von wem er/sie den Ball bekommt und wohin er/sie ihn weitergibt. Danach wird das gleiche mit einem zweiten Ball (andere Farbe, andere Reihenfolge) gemacht, diesmal mit Adjektiven aus z. B. „Wilder Wilhelm“.
    Optional ein dritter Ball mit einem Objekt, das denselben Anfangsbuchstaben wie der Name hat. Bei Fortgeschrittenen können alle drei Bälle gleichzeitig gespielt werden.
    Variation: Begriffe, die zum Stück gehören (Charaktereigenschaften, Rollennamen), oder Assoziationsketten einbauen, um Kreativität und Kontextbezug zu fördern. 

Aufwärmübungen

Ein Muss für jede Probe. Sie bauen Spannung ab, fördern Energie und bereiten auf die Arbeit vor.

Beispiel:

  • Psychoshake: Die Gruppe bewegt sich frei im Raum und begrüßt sich gegenseitig mit Handschlägen. Vor jedem Handschlag überlegt sich jede*r neu, wie oft der andere die Hand geschüttelt bekommt, und versucht, dies durchzusetzen.
    Ziel: Durchsetzungsfähigkeit, Spaß und Spontaneität.
  • Alien auskotzen: Die Gruppe steht im Kreis. Jede*r spielt, wie ein Alien "hochgewürgt" wird und dann dem Nachbarn "vor die Füße gekotzt" wird – mit vollem Körpereinsatz. Ziel: Loslassen, Spaß und Ausdrucksstärke.
  • Massaker: Alle stehen im Kreis. Ein TN stellt sich in die Mitte und ermordet alle mit einer imaginären Waffe (Pistole, Messer, Handgranate, Kettensäge, Maschinenpistole). Wenn alle „tot“ sind, stehen sie wieder auf und der Nächste ist dran.
    Hohes Tempo – es geht ums Aufwärmen. (Hu, darf man das mit Kindern spielen?? Fragt sie doch mal!) 

Und noch mehr Kreisspiele

  • Wildsau: Die TN stehen im Kreis (A-B-C-D-E-F-G-A). Ein Softball (Kissen o.ä.) wird herumgereicht, wobei A ihn an C gibt, C an E, E an G. Die jeweils dazwischen Stehenden müssen die Übergabe verhindern. Werfen ist verboten! Diese Übung macht viel Spaß, ist sehr körperbetont und bringt viel Kontakt.
    Variante: Man kann den Ball rechts oder links herum an den Übernächsten weitergeben.
  • Klatschen – Bücken – Klatschen: Die TN stehen im Kreis (A-B-C-D-E-F-G-A). Nun bückt sich B, wobei A und C sich gegenseitig über B hinweg mit beiden Händen abklatschen. B kommt wieder hoch, C bückt sich, und B und D klatschen ab, dann bückt sich D, und C und E klatschen usw.
    Diese Übung ist körperlich anstrengend, und der Knoten im Kopf muss gelöst werden. Auf Tempo spielen! 

Haltung

Haltung ist essenziell für glaubwürdiges Schauspiel. Jede Figur hat ihre eigene Haltung, die Text und Ausdruck unterstützt.

Beispiel:

  • Figuren-Haltung: Spieler*innen entwickeln Haltungen für unterschiedliche Charaktere und erproben diese in kurzen Szenen. 

Statusübungen

Status definiert Beziehungen zwischen Figuren. Übungen in dieser Kategorie helfen, Hierarchien spielerisch umzusetzen. 

 Beispiel:

  • Zahlen streiten: Drei TN sitzen auf Stühlen auf der Bühne. Sie beginnen ein Gespräch, wobei sie die Aufgabe haben, unterschiedliche Koalitionen und unterschiedliche Stati zu bilden. AB gegen C, AC gegen B, BC gegen A. Am Ende finden alle einen versöhnlichen Schluss. Sie dürfen allerdings nur in Zahlen sprechen. Sie zählen also gemeinsam von 1 bis 70 (100?), wobei jeder maximal zwei oder drei Zahlen hintereinander sagen darf.
    Nachher besprechen: Was war zu sehen? War der Statuswechsel und die Koalitionen a) erkennbar b) logisch?
  • Wippe mit Gromolo: Zwei TN sitzen auf Stühlen. A und B unterhalten/streiten sich in Gromolo: A hat hohen Status, B niedrigen Status. Irgendwann kippt das Spiel, so dass dann A den niedrigen Status hat und B hohen Status.
    Nachher besprechen: Was war zu sehen? Worüber wurde gegromolot? War der Statuswechsel a) erkennbar b) logisch?

Vertrauen und Nähe

Diese Übungen bauen Vertrauen und Nähe innerhalb des Ensembles auf und nehmen Berührungsängste.

Beispiel:

  • Fallen lassen im Kreis: Spieler*innen lassen sich kontrolliert von der Gruppe auffangen. Ein TN steht aufrecht (durchgedrückte Knie, angespannte Pobacken, „Brett“, nach Möglichkeit mit geschlossenen Augen), ein TN steht hinter ihm, einer vor ihm (Ausfallschritt).
    Der in der Mitte lässt sich nun langsam nach vorne fallen, wird an den Schultern aufgefangen und wieder in die Senkrechte gebracht, fällt nun nach hinten, wird an den Schulterblättern aufgefangen und wieder nach vorne.

Langsam anfangen: Die Fänger nehmen früh Kontakt auf und lassen zunächst nur geringe Schwankungen zu – später mehr (auch die Fänger müssen sich selbst erst mal trauen).

oder diese Übung:

Impulsübungen

  • Go-Stop-Jump-Clap: Zunächst werden alle vier Tätigkeiten Gehen, Stoppen, Springen, Klatschen einzeln bzw. paarweise eingeführt. Dann alle durcheinander in schneller Reihenfolge. Dann werden die Stop – Go vertauscht. Bei Stop wird also gegangen und bei Go gestoppt. Dann auch noch Jump – Clap tauschen.
    Schnelle Folge und auch mal TN den Impuls geben lassen.
  • Zählen: Die Gruppe steht im Kreis. TN zählen gemeinsam bis 20 – es darf immer nur einer eine Zahl sagen, sonst geht es wieder von vorne los. Wenn´s klappt, kann man auch mal weiterzählen. Etwas einfacher: Man zählt so weit, wie die Gruppe TN hat – jeder sagt nur eine Zahl.
    Etwas schwerer: Alle schließen die Augen oder drehen sich mit dem Rücken zur Kreismitte.

Rhythmus

Chorisches Spiel und Timing sind oft entscheidend. Rhythmusübungen fördern das Gruppengefühl.

Beispiel:

  • Frère Jacques mit Korken: Spieler*innen singen und geben rhythmisch Objekte weiter. Steigerungen bringen neue Herausforderungen. Die Gruppe steht im Kreis. Jede bekommt einen kleinen Gegenstand in die Hand (Korken, Ball, Wäscheklammer). Grundhaltung: Beide Hände vor dem Körper – rechts mit Korken - Handfläche nach unten. Links Handfläche nach oben - Hand offen.
    Jetzt werden die Hände vor dem Körper gekreuzt – rechts über links und alle legen den Korken in die offene Hand des linken Nebenmanns. (Kleine Hilfe: alle sagen gleichzeitig: „Geben“). Jeder hat jetzt einen Korken in der linken offenen Hand.
    Die Hände werden nun wieder parallel vor den Körper genommen und jeder nimmt nun mit seiner rechten Hand den Korken aus der offenen linken Hand des rechten Nachbarn (Text: „und Nehmen“).
    Zweite Stufe: Statt „Geben und nehmen“ singen alle im Chor „Frère Jacques“.
    Dritte Stufe: Singen und: Alle gehen nun links herum im Kreis. Immer rechten Fuß über den linken setzen. Und wenn das alles klappt und man immer noch nicht genug hat: Alle gehen rechts herum, geben den Korken aber weiter nach links.
    Weitere Steigerungen sind denkbar – aber noch nicht erprobt. Wenn ein Korken fällt, ist es unmöglich, weiterzuspielen ⇒ von vorne anfangen. Langsam beginnen. Steigerungen langsam einführen. Nicht aufgeben – es kann zwar lange dauern, bis es klappt, am Ende stellt sich aber ein Riesenerfolgserlebnis für die Gruppe ein.
    Vorsicht bei Menschen mit motorischen Störungen oder bei „Koordinations-Legasthenikern“ (vor allem, wenn sie allein in der Gruppe sind). Hier vermittelt man dann eher Frusterlebnisse – oder aber, wenn man es trotzdem wagt und behutsam vorgeht und es dann trotzdem schafft:
    Ganz besonders große Erfolgserlebnisse! 

Oder diese Übung:

Praxis-Tipp

Zahlreiche Übungen finden sich in Literatur zur Theaterpädagogik.
Ein empfehlenswertes Buch ist:
Theater-Spiele: Praxisbuch für die Gruppenarbeit von Erika Fischer-Lichte, Henschel Verlag. Workshop Improvisationstheater von Radim Vlcek, Pfeiffer-Verlag, ISBN 3-7904-0900-6.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Anpassen der Spiele!