Lehrprobe – Konzeption und Beispielunterrichtseinheit

Mögliche Themen

Gewalt, Freundschaft, Ausgrenzung, Krankheit, Mensch und Technik, Konsum, Macht, Sucht, Geld, Tod, Freiheit, Liebe

Worum geht es bei dieser Lehrprobe?

Diese Lehrprobe soll eine komplette Unterrichtsstunde sein, die für sich steht. Es handelt sich nicht um den Anfang eines größeren Projekts. Das ist wichtig, damit die Stunde einen klaren Lerneffekt hat und auch ohne weiteren Zusammenhang verstanden werden kann. Das Thema soll von verschiedenen Seiten beleuchtet werden – also mit dem Körper, mit Sprache, mit dem Kopf und mit Gefühlen.

Planung

Du schreibst etwa eine Seite über den Aufbau deiner Unterrichtsstunde und über das Ziel, das du damit verfolgst.

Durchführung

Die Lehrprobe dauert ca. 45 Minuten. Sie ist für die Menschen aus deiner Fortbildungsgruppe gedacht – also für Leute, deren Erfahrungen und Kenntnisse du kennst.

Auswertung

Nach der Stunde gibt es eine Rückmeldung von den Teilnehmenden und den Dozent:innen. Auch du selbst denkst über die Stunde nach – zum Beispiel schriftlich anhand von Leitfragen. Alles zusammen dauert ca. 45 Minuten.

Was du mit der Stunde erreichen sollst (Lernziele)

  • Du bereitest dich gut und bewusst auf das Thema vor
  • Du entwickelst eine eigene Idee oder einen Plan, was du zeigen willst
  • Du entscheidest dich für einen wichtigen Teilaspekt des Themas
  • Du wählst passende Methoden und Materialien aus (z. B. Texte, Musik, Technik, Requisiten)
  • Du weckst das Interesse für dein Thema
  • Du stärkst das Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe
  • Du sorgst dafür, dass die Teilnehmer:innen Freude am Spielen haben
  • Du entwickelst ein gutes Gespür für die Gruppe und für einzelne Personen
  • Du kannst mit unerwarteten Situationen in der Gruppe umgehen
  • Du übst, wie man gutes Feedback gibt – und wie man über das eigene Handeln nachdenkt

Beispiel-Lehrprobe: Thema Ausgrenzung

Aufbau und Ziel der Unterrichtsstunde

In dieser Unterrichtsstunde geht es um das Thema Ausgrenzung. Das bedeutet, dass Menschen ausgeschlossen oder anders behandelt werden – zum Beispiel, weil sie anders aussehen, sich anders verhalten oder andere Interessen haben. Viele von uns haben so etwas schon mal erlebt – entweder selbst oder bei anderen.

Ein Beispiel: Eine neue Mitschülerin wird in der Pause immer übersehen und niemand spricht sie an.

Die Stunde dauert 45 Minuten. Wir werden das Thema auf verschiedene Arten erleben – mit dem Körper, mit Worten, mit dem Kopf und mit unseren Gefühlen. Dabei wollen wir herausfinden, wie sich Ausgrenzung anfühlt und was das mit uns macht. Es ist wichtig, diese Gefühle in einem geschützten Rahmen ernst zu nehmen und gemeinsam zu reflektieren. Das hilft uns, andere besser zu verstehen und freundlicher miteinander umzugehen.

Was du in dieser Stunde lernen kannst

  • Du verstehst besser, was Ausgrenzung ist
  • Du kannst dich in andere hineinversetzen
  • Du lernst, im Team zu arbeiten
  • Du kannst dich beim Spielen ausprobieren und Spaß haben
  • Du findest kreative Ideen, um etwas darzustellen
  • Du kannst dich selbst und andere besser wahrnehmen

Ablauf der Unterrichtsstunde (45 Minuten)

1. Start (5 Minuten)

  • Begrüßung und Einstieg ins Thema mit kurzen Beispielen: „Ich wurde einmal ausgeschlossen, als …“ (freiwillig, auf kleinen Zetteln)
  • Kurze Umfrage mit Handzeichen: Wer kennt das Gefühl?

2. Aufwärmen mit Bewegung (5 Minuten)

  • Wir laufen durcheinander, wechseln Richtungen und machen Blickkontakt. So werden wir wach und aufmerksam für die Gruppe.

3. Das Stuhl-Spiel (10 Minuten)

  • Alle sitzen im Stuhlkreis. Eine Person steht in der Mitte und sagt einen Satz wie: „Ich habe mich schon mal ausgeschlossen gefühlt.“ Wer das auch kennt, steht auf und sucht sich einen neuen Platz.
  • Ziel: eigene Erfahrungen teilen und Gemeinsamkeiten erkennen

4. Arbeiten in kleinen Gruppen (15 Minuten)

  • In Gruppen denkt ihr euch eine kurze Szene zum Thema Ausgrenzung aus. Es gibt Wörter zur Hilfe, z. B. „Mobbing“, „Mut“, „Zugehörigkeit“.
  • Ihr dürft Requisiten benutzen (z. B. einen Hut oder Schal) oder Musik abspielen (z. B. ruhige Hintergrundmusik zur Szene).
  • Ziel: Eure eigenen Ideen zeigen und kreativ sein.

5. Aufführung und Austausch (5 Minuten)

  • Jede Gruppe zeigt ihre Szene (1–2 Minuten)
  • Danach sprechen wir kurz: Was habt ihr gesehen? Was hat euch berührt? Gab es etwas, das euch überrascht oder nachdenklich gemacht hat?

6. Abschluss und Ausblick (5 Minuten)

  • Wir machen eine gemeinsame Bewegung oder Geste: „Ich bin Teil der Gruppe“
  • Am Ende fragt ihr euch: Was nehme ich aus dieser Stunde mit?

Was vorbereitet wird

  • Kleine Zettel für den Einstieg
  • Stühle im Kreis
  • Kiste mit Sachen wie Schal, Hut, Brille
  • Lautsprecher für Musik
  • Wenn nötig: kurze Texte oder Zitate

Nachbesprechung (45 Minuten)

  • Wir machen eine Feedbackrunde mit der Methode „Plus/Delta“: Was war gut? Was könnte beim nächsten Mal verändert werden?
  • Die Lehrperson bekommt Rückmeldung von der Gruppe
  • Dann schreibt sie selbst auf, wie sie die Stunde erlebt hat

Warum dieses Thema?

Fast jeder Mensch kennt das Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Deshalb ist dieses Thema wichtig. Es lässt sich gut im Spiel zeigen und regt zum Nachdenken an. Mit dieser Stunde wollen wir das Thema mit Körper, Gefühl und Verstand erleben.

Was ich als Lehrperson erreichen will

Ich möchte, dass sich jede und jeder in der Gruppe wohlfühlt. Ich unterstütze das mit klaren Regeln für den Umgang miteinander und einer einfühlsamen Moderation während der Übungen.